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Dienstag, 3. Mai 2016

Schottland II

Mit einem breiten Lächeln verließ ich den kleinen Tartanladen an der Princes Street, zu dem man einige Stufen hatte empor steigen müssen. Das Gras der Princes Gardens, die sich nun vor mir erstreckten, war zwar schon grün, jedoch waren die Bäume noch kahl und nur die Osterglocken und der Stechginster tauchten den Park in ein fröhliches Gelb, das selbst der stetige Regen nicht verwaschen konnte. Mama warf einen kritischen Blick auf meine prall gefüllte Tragetasche, in der sich nun ein Tartan Rug in den blauen Farben der Stuarts befand.
"Und wie willst du das mit nach Hause nehmen?", fragte sie mich mit leicht vorwurfsvoller Stimme, denn immerhin hatte ich ihr zuvor ausgeredet, Bettwäsche zu kaufen, da es uns an Platz in den Koffern mangelte.
Vielleicht sollte ich einfach hier bleiben, fuhr es mir durch den Kopf. Doch ich verkniff mir diesen Kommentar und erklärte stattdessen, dass ich meine Decke als Handgepäck mitnehmen könnte, zusätzlich zu der großen Handtasche und dem Highland Rind Kuscheltier aus Urquhart Castle, das ich liebevoll Sir Truffles getauft hatte.

Wie bereits im letzten Post erwähnt kommt nun die Fortsetzung mit Bildern der letzten Tage in Schottland.

Am fünften Tag ging es dann von Fort William über Fort Augustus entlang des Loch Lochys, des Loch Oichs bis zum Urquhart Castle am Loch Ness. Leider ist von der Ruine ja nur kaum noch etwas erhalten, aber was noch da ist, ist einfach faszinierend. Enge Wendeltreppen, Kellerräume, Bauwerke über mehrere Ebenen, da der Untergrund so hügelig ist. Von dort aus fand eine Schifffaht über den Loch Ness statt. Es überrascht hier vermutlich niemanden, wenn ich euch erzähle, dass Nessi auf der spiegelglatten Oberfläche des Lochs nicht gesehen wurde.
Anschließend machten wir Halt in Inverness. Das einzige, was ich über die Highland-Hauptstadt wusste, war, dass Claire und Frank dort ihre zweite Hochzeitsreise hin unternahmen. Dass uns dort tatsächlich eine große Stadt mit allen möglichen Läden und einem riesigen Einkaufscenter erwartete, konnte man ja nicht ahnen. Doch die Stadt ist wunderschön, hoch über dem Fluss Ness thront das Inverness Castle. Mama und ich sind in die viktorianischen Markthallen gegangen, in denen sich eine Menge kleiner, süßer Läden befindet.
Als wir am sechsten Tag in Carrbridge wach wurden, war der Schnee der Nacht bereits getaut und die alte Brücke neben dem Hotel erstrahlte im Sonnenlicht. Wir fuhren nach Aviemore, wo wir mit einer Eisenbahn (also so eine richtige mit Dampf) fuhren.
Anschließend ging es zum Cawdor Castle, dem Schloss in dem Shakespeare's Macbeth spielt. Tatsächlich wurde das Schloss jedoch erst einige Jahrhunderte nach Macbeths Tod erbaut. Besonders die Gärten der Burg hatten es uns angetan, leider war der Irrgarten jedoch verschlossen.
Am siebten Tag ging es über Pitlochry und die Blair Athol Distillry zurück nach Edinburgh. Obwohl eine Whisky Brennerei vielleicht für manch einen Alkoholtrinker interessant klingt, kann ich es leider nicht allzu empfehlen. Da drin müffelt es nämlich ziemlich nach Hefe, und zwar so schlimm, dass ich mir die restliche Besichtigung dann lieber draußen gewartet habe.
Als wir dann zurück in Edinburgh ankamen, sind wir noch einmal in die Stadt gefahren, wo ich mir dann auch noch einen Tartan Rug gekauft habe, der farblich zu meinem Schal passt. Am Abend aßen wir mit unserer Achtergruppe noch einmal zusammen. Alle waren traurig, dass sie Reise nun tatsächlich zu einem Ende kam, vor allem da wir uns auch sehr gut verstanden. Ein letztes Mal sahen wir die Sonne über den Bergen Schottlands untergehen, die Edinburgh rot erstrahlen ließ.

Am nächsten Morgen, dem achten Tag, ging es dann auch schon nach dem Frühstück zurück zum Flughafen. Ich hoffe sehr, schon bald wieder zurück nach Schottland zu kommen. Ihr habt nun ja auch einige Bilder gesehen und euch einen eigenen Eindruck von dem Land machen können, doch seine wahre Schönheit kann man vermutlich erst begreifen, wenn man wirklich einmal im Tal von Glencoe spazieren ging, über die Weiten des Loch Ness' blickte, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Highlands verstanden und mit der Dorfgemeinde einen Cèilidh gefeiert hat. Und wenn man dann nach Hause kommt und in Dauerschleife Loch Lomond singt, während mach nach Direktflügen nach Edinburgh sucht, weiß man, dass man sich in das Land verliebt hat. Und in die Leute. Wirklich, ich war noch nie von einem Auslandsaufenthalt so begeistert und ich hoffe wirklich, dass ich baldig wieder zurückkehren kann.

"Oh ye'll take the high road and I'll take the low road. And I'll be in Scotland afore ye. Where me and my true love will never meet again on the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond."

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