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Samstag, 26. November 2016

Labor-Hamster Ida

Hallo ihr Lieben,
ihr merkt vielleicht, wenn ich denn mal Zeit habe, setze ich mich hin, schreibe direkt drei Posts und lade sie dann innerhalb kürzester Zeit hoch, nur um mich dann Ewigkeiten nicht zu melden. Ich habe gerade viel um die Ohren, man kann es ja wirklich nicht leugnen. Aber gut, das ist gerade nicht wirklich das Thema.
Denn wie ihr wisst studiere ich Biologie. Und wie ihr vielleicht wisst, wird in den Laboren viel mit Versuchstieren gearbeitet. Ich selbst distanziere mich davon streng, natürlich weiß ich als angehende Naturwissenschaftlerin, dass auf Tierversuche nicht verzichtet werden kann, jedoch will und werde ich damit nichts zu tun haben. Ich selbst arbeite lieber mit Algen, Bakterien oder Pflanzen. Natürlich musste auch ich im Basis- und Aufbaumodul mit tierischen Zellen arbeiten, da kommt man leider nicht drum rum, aber seit jeher meide ich dieses Gebiet der Forschung mit allen Mitteln. Es ist nicht so als wäre ich Veganer oder im Tierschutz aktiv, ich bin lediglich sehr tierlieb und es bricht mir einfach das Herz, wenn einer Maus vor meinen Augen der Hals umgedreht wird, weil man sie ja 'eh nicht mehr für die Forschung braucht'.
Als ich dann vorgestern von einer Kommilitonin hörte, dass in der Verhaltensforschung mehrere Zwerghamster untersucht worden waren, die nun (eigentlich gestern) nicht mehr gebraucht würden und daher den Schlangen zum Fraß vorgesetzt werden sollten, konnte ich einfach nicht anders. Nein Tally, habe ich mir gesagt, du hast keinen Platz für einen Hamster. Du brauchst keinen Hamster. Du willst nicht in kurzer Zeit wieder vor einem Grab stehen, so wie es bei Hamsti vor etwa einem Jahr war, und dir die Augen ausheulen, wegen einem so keinen, süßen Fellknäul.
Aber alle Hamster sterben lassen konnte ich auch nicht. Meine Kommilitonin hatte sich bereits einen Hamster ausgesucht, daher musste ich nun die große Entscheidung treffen: wer darf leben und wer wird verfüttert? Gar nicht mal so leicht bei 4 Hamstern. Also habe ich mit jedem ein wenig geredet (klingt jetzt blöd) und ein Hamster reagierte sofort. Guckte mit seinen großen Augen zu mir hoch, so erwartungsvoll. Sie kam aus ihrem Häuschen, lief ein wenig umher, guckte erneut zu mir, als ich sie wieder ansprach. Sofort war da eine Bindung zwischen uns. "Die will ich", meinte ich eifrig zu der Dame, die die Hamster während der Abwesenheit der forschenden Studentin pflegte. "Die bekommt bei mir ein ganz wundervolles zuhause!"
Und so kam ich zu meinem Hamstermädchen aus dem Labor, das ich liebevoll Ida taufte. Erst einmal hat sie leider noch keinen richtigen Käfig, weil das sich das alles so spontan ergab, dass ich einfach noch keinen auftreiben konnte. Jedoch ist bereits diese Plastikbox ca 2,5x so groß, wie ihr altes Heim. Und nun hat sie auch endlich mal ein Laufrad! Ich will mich ja nun wirklich nicht in eine Diskussion über Tierversuche stürzen. Die Hamster lebten zuvor okay, nicht gut aber okay, jetzt bekommt Ida nach fast einem Jahr endlich ein richtiges Heim, mit viel Platz, gutem Essen und vorallem viel Liebe.
"Die sind aber ganz scheu", hatte die Dame gesagt. Doch wenn ich mir Ida jetzt so ansehe, erkenne ich kein scheues Tier, das ein Leben lang im Labor gehalten wurde. Ida ist nicht scheu, sie ist auch nicht verstört. Sie scheint einfach nur dankbar, endlich ein Leben zu bekommen, das auch lebenswert ist.

(Und nun fragt ihr euch vielleicht, wie ich so viele Gedanken in den Gesichtsausdruck eines Hamsters interpretieren kann. Das kann ich einfach, Ende der diskussion :D )

1 Kommentar:

  1. Sie ist so süß! :) Sie kann glücklich sein, dass sie bei dir gelandet ist. Es könnte ihr nirgendwo besser gehen! :)

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